Wappen Werleshausen
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Erstmalige Erwähnung

König Ludwig, der Deutsche, schlichtet am 8. Mai 876 auf einer Reichsversammlung in Ingelheim einen Streit zwischen dem Erzbischof Liutbert von Mainz und Abt Sigihard von Fulda über den Zehnten in Thüringen und bestätigt, dass die Orte Weißenborn (Unzianbruno), Diedorf (Toidorf), Kettenburen (Katonbure), Werleshausen (Widarolteshuson) und andere den Thüringischen Zehnten an das Kloster Fulda zu zahlen haben.

Datum Anno Domini DCCCLXXIIII, indictione V II, regni vero domini Ludeuuci serenissimi regis in orientali Francia regnantis XXXXVI, sub die XV. kalendas junii.
Actum in palacio Ingilunhem in dei nomine amen.

Das 876 in Ingelheim aufgenommene Protokoll ist in Aufzeichnungen aus dem 10. Jahrhundert abschriftlich überliefert. Die Aufzeichnung wurde im 11. Jahrhundert zur Herstellung einer Fälschung auf das Jahr 874 verwendet.

Möglicherweise ist das Dorf noch älter, da Ortsnamen auf -hausen, -feld, -bach, -berg der frühkarolingischen Zeit (8. Jahrhundert) zugeordnet werden können. Das Dorf hat seiner Lage nach zur thüringischen Germaramark am Unterlauf der Wisra (Werra) gehört. Die Bevölkerung und ihr Dialekt sind thüringisch, auch das Erbrecht. In Thüringen gilt von Alters her das Realrecht, d.h. alle Erben erhalten vom Besitz den gleichen Anteil; das ist heute noch Brauch in hiesiger Gegend. Dagegen gilt in Hessen und Sachsen (Niedersachsen) das Anerbenrecht; der älteste oder jüngste Sohn erbt den Hof.

Die Dorfbewohner sind wahrscheinlich Fischer und Bauern gewesen, die dem Kloster Fulda den "Zehnten" ihrer Erzeugnisse abliefern mussten. Eine zweite Urkunde, in der Werleshausen erwähnt wird, ist von 1299. Heinrich von Cygenberg (Ziegenberg) gibt seine Äcker in Reden (Oberrieden) an den Erzbischof Gerhard v. Mainz als Ersatz für den "Zehnten in Werleshausen".
Das Kloster Fulda, das im 9. Jahrhundert große Besitzungen im Werratal erworben hat, verliert im Laufe der Jahrhunderte an Einfluss und Bedeutung. Am Ende des 8. Jahrhunderts wird der Gau Thüringen von dem Bonifatius-Schüler Lullus, Stifter der Abtei Hersfeld, später Erzbischof zu Mainz, christianisiert. Dadurch kommt nach und nach die Landschaft Thüringens, zu der Werleshausen gehörte (im Jahre 1294 erstmalig Eychisfeld (Eichsfeld) genannt), unter die kirchliche, später auch weltliche Oberhoheit von Mainz, die erst 1802 endet, als es durch den Luneviller - Vertrag dem Königreich Preußen zufällt. Die kirchliche Macht wird von Heiligenstadt ausgeübt.

Die Urkunde

Die Urkunde wird im Hess. Staatsarchiv  in Marburg aufbewahrt.